Heiliger Blasius — 3. Februar
- 8. Feb. 2023
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Aktualisiert: 3. Feb.
Am 3. Februar ist der Blasiustag, und die Licht- bzw. Kerzensymbolik des Lichtmesstages wird am heute fortgeführt. Am Gedenktag des Heiligen Blasius gibt es während der Gottesdienstfeier den Blasiussegen, der vor Halskrankheiten, Erkältungen und anderem Übel bewahren soll. Gegen Wind und Sturm soll das Windfüttern geholfen haben!

Der Hl. Blasius mit seinen Attributen
Der Heilige Blasius
Blasius von Sebaste war der Überlieferung zufolge Bischof von Sebaste in Kleinasien (Sivas, Türkei) und erlitt 316 das Martyrium. Der Heilige zählt zu den vierzehn Nothelfern und gilt insbesondere als Helfer bei Halskrankheiten. So wird an seinem Gedenktag in den Kirchen der Blasiussegen speziell gegen Halsleiden gespendet. Der Volksmund sagt dazu auch "Einblasln". Dabei hält der Priester den Gläubigen zwei gekreuzte brennende Kerzen vor das Gesicht und spricht die Worte: „Auf die Fürsprache des Hl. Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen.“
Nach der Legende war sein „Bischofssitz“ zur Zeit der Christenverfolgung eine Höhle im Gebirge, wo er in der Nähe wilder Tiere lebte. Er heilte ihre Wunden, sie brachten ihm Nahrung und beschützten ihn. Ein Wolf, der einer armen Frau ihr einziges Schwein geraubt hatte, gab es ihr auf Befehl des Bischofs wieder zurück. Aus Dankbarkeit brachte sie Blasius das Schweinefleisch, dazu Brot und Kerzen. Blasius soll die jährliche Erneuerung dieses Kerzenopfers mit einem Segen verbunden haben.
Er wurde in seiner Einsiedelei vom Statthalter Agricolaos aufgespürt und in das Gefängnis gebracht. Dort rettete sein Gebet einen Knaben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Da sich Blasius weigerte, seinem Glauben abzuschwören, folterte und tötete man ihn im Jahr 316. Vor seiner Enthauptung bat der Bischof, dass alle die in seinem Namen um Gesundung von Hals- oder sonstigen Krankheiten bitten, geheilt würden. Eine Stimme vom Himmel sagte die Erhörung zu.
Blasius wird oft mit zwei gekreuzten Kerzen in der Hand dargestellt. Er rettete den Sohn einer Witwe vor dem Ersticken an einer Gräte und wurde daher zum Schutzpatron derjenigen, die an Kehlkopf- und Halsleiden leiden. Schon im Jahr 550 soll er als solcher angerufen worden sein. Am Gedenktag des Heiligen Blasius werden Kranke und alle, die sich vor Halsbeschwerden schützen möchten, vom Geistlichen "eingeblasen". Dabei hält der Geistliche ihnen kreuzweise vor Gesicht und Kinn oder an den beiden Seiten des Halses geweihte Kerzen, das "Blasilicht", oder bläst ihnen sanft zu. Die Person, die zuletzt den Segen erhält, wird für das ganze Jahr als "Bläse" betrachtet und manchmal ausgelacht.
Wenn jemand einen Knochen im Hals stecken hat, wird ebenfalls der Heilige Blasius angerufen. In England werden Zahnschmerzen durch Berührung des Zahnes mit einer Kerze geheilt, die auf dem Altar einer Kirche, die ihm gewidmet ist, gestanden hat. Diese Kerzen gelten auch als wirksam gegen Halsschmerzen und Viehkrankheiten. Die Verehrung des Heiligen wird möglicherweise durch die Ähnlichkeit seines Namens mit dem englischen "blaze" unterstützt, was Flamme oder Lichtschein bedeutet, und im deutschen Sprachraum durch die Assoziation mit "blasen". Darüber hinaus wird Blasius auch gegen eiternde Geschwüre (bei den Siebenbürger Sachsen) und Koliken angerufen. Es gibt auch Blasiusbrunnen, Blasiuswasser und Blasiuswein, denen heilende Kräfte zugeschrieben werden.
Blasius wird als Schutzpatron der Haustiere verehrt, und diese Verehrung wird durch eine Legende begründet. Auch das Vieh wird mit geweihtem Wachs gezeichnet. Um die Schweine zu schützen, schnitt man den Namen des Blasius in den Hirtenstab oder schrieb ihn auf einen Zettel. Im 14.–15. Jahrhundert gab man jungen Hühnern und Gänsen St. Blasen-Wasser zu trinken, um sie vor dem Fuchs zu bewahren. In Schwaben werden am Blasustag die Pferde in die Blasiuskapellen geführt und gesegnet. Manchmal genügte es schon, wenn das Pferd während der heiligen Handlung draußen vor der Stalltür stand. In Rottenburg wurden die Pferde in der Schmiede "zur Ader" gelassen. In Villars führt man Pferde, die von Koliken befallen sind, auf einem nach dem hl. Blasius benannten Gelände um einen Stein. Im 16. Jahrhundert wurde er zum Schutz der Herden gegen Wölfe angerufen, und er schützt die Kühe vor dem Verwerfen. Um das Vieh vor Wölfen zu schützen, steckte man einen Stab mit einem Zettel, auf dem der Name des Heiligen stand, und stellte ihn bei der Herde auf. St. Blasiuswasser wurde den Tieren gegeben. Auch in Italien ist Blasius der Viehpatron, besonders bei den slavischen Völkern und den byzantinischen Griechen.
Vielleicht wurde er auch deshalb zum Patron der Wollhändler und Wollverarbeiter in England, weil auch die Schafe seinem Schutz unterstehen – nach einer mittelalterlichen Küchenregel soll man am Blasustag Lämmer essen. Einige führen dies darauf zurück, dass er im Gefängnis mit eisernen Kämmen zerkratzt wurde.

Der heilige Blasius wird als Viehpatron, Wetterpatron und Helfer gegen Halskrankheiten verehrt. Schon im 6. Jahrhundert erwähnt der Arzt Actius von Amida eine Segnung im Namen des Blasius zur Entfernung eines Knochens aus dem Hals. In einer Handschrift aus dem 12. bis 13. Jahrhundert findet sich eine lateinisch-deutsche Formel gegen Kehlschwellungen, in einer anderen aus dem 14. Jahrhundert eine gegen Blutungen. In einer weiteren wird Blasius als Schutzpatron gegen Viehkrankheiten angerufen.
Blasiussegen gegen Halsleiden
Die Spendung des Segens ist seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen. Bereits in einer von Aëtios von Amida im 6. Jahrhundert verfassten Sammlung medizinischer Texte findet sich der Blasiussegen als „Mittel“ gegen Halskrankheiten und verschluckte Fischgräten.
Das Opfern von Kerzen sowie das Segnen von Blasiuswasser, Blasiuswein und Blasiusbrot war einst üblich.
Bei der Spendung des Blasiussegens hält der Priester oder der Diakon dem Gläubigen zwei gekreuzte brennende Kerzen in Höhe des Halses vor. Der Segen aus dem Benediktionale lautet:
Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
oder:
Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil. Er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn.
Eine andere Segensformel lautet: "Es war eine gute Stunde, als Gott geboren wurde, also sei dies auch. Es komme der liebe St. Blasius mit seinem rechten Eifer, er hebe auf seine gebenedeite Hand, er segne ihnen die Kehle und den Hals und alle Ungefälle, den Zapfen und die Blätter und den Brand und alle Unannehmlichkeiten und zweiundsiebzig Seuchen, wovon einer darunter ist, behüte die Gott und der heilige Kürassier."
Windfüttern und Blutsegen zu Blasuis
Der Blasiustag galt als Winterende, war aber zugleich - wegen des Namens - gefährlich für den Wind und Sturm. Seine Rolle als Wetterpatron verdankt der Hl. Blasius der Tatsache, dass in grauer Vorzeit sein Name mit dem Blasen des Windes in Verbindung gebracht wurde. Der Name Blasius könnte sich von blaesus = lispelnd (lateinisch) ableiten.

Als Zeitpunkt für diese regelmäßig dargebrachten Opfer nennen die Belege in überwältigender Mehrheit die Weihnachtszeit, genauer die Zeit der Herstellung von Störi- und Kietzenbrot in der Thomaswoche. In diesem Zeitraum wird (oder wurde?) auch in mehreren oberösterreichischen Orten – etwa in Schaumburg bei Eferding, Anrath bei Waizenkirchen und Gampern – der sogenannte „Große Wind-“ bzw. „Wassertag“ begangen (am 27. bzw. 29. oder 30. Dezember). An diesen Tagen umschreitet man den eigenen Besitz und legt, wie etwa aus einem Bericht aus Schaumburg hervorgeht, auf einige Zaunpfähle ein paar Brocken von allen an diesem Tag verzehrten Speisen für den Wind nieder oder wirft sie in jedes rinnende und stehende Wasser.
Man füttert den Wind mit Asche, Salz oder - wie in Böhmen früher verbreitet - mit Mehl.
Noch eine andere Verbindung zwischen Maria Lichtmess und Blasius gab es in früheren Zeiten: "Wo zu Lichtmess Dienstbotenwechsel ist, werden zu Blasi die Kästen und Truhen der Dienstboten herumgeführt. Darum heißt der Blasitag auch Wandertag", heißt es in einem Buch über alte Bräuche im Leben bäuerlicher Dienstboten.
Auch zu den Rauhnächten wurde der Wind gefüttert, wie etwa um 1900 in Niederösterreich. An den Wind- und Wasser-Tagen, insbesondere am 29. Dezember, legten die Bauern Reste aller Speisen des Tages auf die Zaunpflöcke. Dieses Futter für die "Windsbraut" wurde von den Vögeln gefressen. In einigen Höfen stellte die Bäuerin eine Schüssel Milch als "Windfutter" vor das Haus.
Im Bezirk Horn wurde am Christtag (25. Dezember) die Tradition des "Bamschatzens" gepflegt, bei der Speisenreste unter die Obstbäume gelegt wurden, begleitet von dem Ausspruch "Was ich dir gib, das gib mir wieder". Im Pöggstaller Bezirk wurden auch Feuer und Brunnen mit Speisen versorgt.
Einen „Wind-“ und „Wassertag“ kennt man auch im niederösterreichischen Ybbstal: Dort werden am 29. Dezember für die Windsbraut Speisereste auf Zaunpfähle gelegt, während man am 20. Dezember für das Wassermandl Reste in die Wehrtümpel der Mühl’en wirft.
L. Teufelsbauer bezeugt für das Wechsel- und Alpengebiet „Windfeita“ (Windfeiertage) in den Tagen nach dem 28. Dezember. Während dieser Windfeita war es in der Wechselgegend verboten, Räder in Bewegung zu setzen oder in irgendeiner Weise Wind zu erzeugen. Am Abend des 29. Dezember stellte man dem Wind auf Zaunpfählen oder bei den Dachluken ein Schüsselchen Mehl als „Windfuada“ hinaus, um ihn darum zu bitten, dass er im kommenden Jahr keinen Schaden anrichte.
Am Blasiustag werden in der Gegend um Gaflenz sowie im Krems- und Steyrtal (u. a. Ottsdorf bei Kirchdorf, Klaus) Krapfen gebacken. Der erste davon wird dem Wind geopfert: Man wirft ihn ungebacken entweder ins Feuer oder steckt ihn in eine Astgabel, damit der Wind daran „nage“. In Ottsdorf ritzen einige Bäuerinnen vor dem Verbrennen mit dem Fingernagel ein Kreuz in den Krapfenteig. Dieses Vorgehen gilt als Schutzmaßnahme „gegen den Wind“.
Auch in der Steiermark soll man an diesem Tag Krapfen essen, „damit der Wind das Dach nicht abträgt“ (Bezirke Deutschlandsberg, Radkersburg).
In Ottsdorf wird das Krapfenopfer heute mitunter, in Verkennung seiner ursprünglichen Bedeutung, von den Bäuerinnen auch als Vorkehrung gegen Blähungen („Winde“) dargebracht.
Am 30. Dezember, dem Wassertag, nahm der Oberbursche des Müllers einen Teil von jedem Gericht und warf es in den Wehrtümpel vor dem Mühlrad, eine Praxis, die als "Wassermanndl streuen" bekannt war.

Als Windbanner galten als Personen, die angeblich die Fähigkeit besaßen, den Wind aufhören zu lassen. Man glaubte, dass diese Personen, insbesondere wenn sie an einem Sonntag geboren wurden und Schweinemilch tranken, in der Lage waren, den Wind zu sehen. Oft handelte es sich um Personen, die auch als Wender und Anbraucher tätig waren.
Ein Brauch war, das Opfer auf eine steinerne Torsäule zu legen. Die Verbreitung dieser steinernen Torsäulen in Oberösterreich wurde 1956 durch einen Fragebogen des Instituts für Landeskunde festgestellt. Über das Ergebnis dieser Befragung wird an geeigneter Stelle berichtet. Die Niederlegung von Elementeopfern an derartigen Torsäulen ist jedoch nicht auf Oberösterreich beschränkt. So berichtet H. Fuchs, Gebildbrote aus Steiermark u. a., dass in Rottenmann einst neben sogenannten „Feuerbroten“, die einer mehrfingerigen Hand oder einer Flamme glichen, auch „Windradel“ in Form eines vierspeichigen Teigringes hergestellt wurden. Das Feuerbrot legte man nach der Räucherung des Hauses auf die in das Herdfeuer geschüttete Glut der Räucherpfanne, während das bis dahin auf dem Herd liegende „Windradel“ auf die Torsäule beim Eingang zum umfriedeten Haus hinausgetragen wurde.
Zu diesem steirischen Brauch vgl. weiters F. Byloff, Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer, Berlin 1929, S. 41, nach Archivalien über einen Zauberprozess in Schloß Hainfeld bei Feldbach, das Bekenntnis des Bäckers und Wirtes G. Hollerspacher vom 21. August 1674:
„… bekhent, das er an der h. drei khönig nacht, so mann die reiche nacht pflegt zu nennen, preßl (Brotbrösel) und andere übergeblibene speißen zusamben in ein neuen topf gethann und selbe deß andern tagß frue vor aufgang der söhnen auf der weith auf ein thorseillen gesezet, dem windt damit zu fuedern, daß selbiger das ganze jähr hindurch seine gründt und sachen kheinen schaden zuefüegcn mögen.“
[„… bekannte, dass er in der Heiligen-Drei-Königs-Nacht, die man die ,reiche Nacht‘ zu nennen pflegt, Brösel (Brotbrösel) und andere übriggebliebene Speisen zusammen in einen neuen Topf getan und diese am folgenden Tag früh, vor Sonnenaufgang, draußen auf eine Torsäule gesetzt habe, um damit den Wind zu füttern, damit dieser das ganze Jahr hindurch seinen Gründen und Sachen keinen Schaden zufüge.“]
Leopold Schmidt bezeichnet "Wender" als "Volksheilkundige", "Zauberärzte" oder "Ansprecher", die suggestive Heilmethoden anwenden, wobei einige auf bestimmte Krankheiten spezialisiert sind. Sowohl Menschen als auch Tiere sollten magisch von Leiden wie Warzen oder Augenbeschwerden geheilt werden. Das weit verbreitete Phänomen des "Besprechens" oder "Wendens" in ganz Europa basierte auf Segensformeln, Sympathiemedizin (bei der die Beschwerden im Einklang mit dem Mondzyklus abnehmen sollten), Signaturenlehre und magischen Handlungen. Das Wissen wurde oft innerhalb der Familie oder an würdige Nachfolger weitergegeben. Bestimmte Berufsgruppen wie Hirten oder Schmiede schienen dafür besonders geeignet zu sein, während manche als unheimlich oder hexenähnlich angesehen wurden. Trotzdem galten die Heilkundigen oft als angesehene und fromme Personen. Das "Wenden" hatte einen geheimnisvollen Charakter, und Misserfolge wurden selten offenbart.

Zum Zauber gehörte oft ein Spruch oder formelhafter Segen, wobei sich christliche und magische Vorstellungen vermischten. Einige Formeln wie der Blutsegen lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen, während ein Wassersegen (Benedicas aqua optima) aus dem 14. Jahrhundert stammt. Diese Formeln wurden mündlich überliefert, handgeschrieben oder seit der Barockzeit in Drucken wie dem Romanusbüchlein oder dem "6. und 7. Buch Mosis" verbreitet. Übliche Gesten waren Streichen, Berühren und Bekreuzigen. Die Wender übertrugen die Krankheit oft auf einen Gegenstand wie einen Faden, der unter der Dachtraufe vergraben, im Wasser weggeschwemmt oder in einen Baum verankert wurde.
In Oberösterreich wurden ausgerenkte Glieder von Tieren unter Anrufung des heiligen Leonhard mit der "Roadlkettn" geheilt. Dabei wurde die Radkette, die zum Bremsen des Heuwagens diente, zusammen mit einer Schaufel an einen Holzpfosten im Stall gebunden. Drei Tage lang durfte niemand hinschauen; am vierten Tag sollte sich die Kette gelockert haben und die Schaufel umgedreht sein. Dann sollte das Vieh gesund werden.
Die Praxis der Windopfer wurde bis in die 1950er Jahre dokumentiert, wie im Volkskundeatlas ersichtlich ist. In 72 Prozent der befragten Personen wurde von Windopfern berichtet. Die Angaben über Windopfer waren im Bezirk Grieskirchen in 44% der Fragebögen enthalten, in Vöcklabruck in 29,5% und in Ried in 20,5%. Im Gegensatz dazu kannten nur 3% der Befragten im Bezirk Braunau solche Opfer.
1. Was dem Wind geopfert wurde
a) Speiseopfer (häufigste und zentrale Form)
Diese gelten als echte Speiseopfer, sind meist leicht verwehbar und können allein oder gemischt dargebracht werden:
• (Hafer-)Mehl (am häufigsten)
• Grieß
• Brot, Brotbrösel
• Krapfen (v. a. zu Blasius)
• Kleine Laibchen (Störi- oder Kietzenbrot)
• Eier (vereinzelt)
• Saure Milch
• Speck, Kastanien (selten)
• Kümmel (als Speisebestandteil)
• Salz (regelmäßig als Beimengung zu Mehl, Kleie oder Asche)
➡️ Typisch ist die Mischung mehrerer Gaben, z. B. Mehl + Salz, Kleie + Federn + Salz, Asche + Salz + Kümmel.
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b) Beigaben / Trägermaterialien (nicht primär als Nahrung gedacht)
Diese werden nicht isoliert, sondern meist mit Speiseopfern vermischt dargebracht:
• Haferfleigen (Kleie)
• Hühnerfedern
• Asche (häufig geweihte Asche)
• Heu (aufgeworfen oder ausgestreut)
• Sägespäne
• Werg
➡️ Ihre Funktion liegt vermutlich
• in der Verwehbarkeit,
• in der Beziehung zur Ernte (Kleie, Heu),
• oder in apotropäischen Eigenschaften (Asche, Salz).
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2. Wo und wie dem Wind geopfert wurde
a) Auf Gadernsäulen / Torsäulen / Zaunpfählen
(sehr häufig; Grenzsymbolik)
• Mehl, Brotbrösel, Kleie, Federn, oft mit Salz vermischt
• Gaben aufgelegt oder in das Loch der Säule gesteckt,
damit der Wind sie herausbläst
• Teilweise Werg oder Mehlreste
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b) Auf Bäume oder in Astgabeln
• Laibchen, Krapfen, Windradel
• In Astgabeln gesteckt, damit der Wind daran „nagt“
• Besonders Weihnachtszeit und Blasius
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c) In den Wind gestreut oder hochgeworfen
• Mehl, Brotbrösel, Asche, oft mit Salz
• Häufig mit Spruch („Wind, i fuada di!“)
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d) Auf Dächer oder an Dachluken
• Mehl, Teigreste, Brotstücke
• Vor allem in den Rauhnächten
Belege:
Oberhöglham bei Wendling · Reichraming
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e) Ins Feuer
(Grenzform Wind–Feuer)
• Krapfen oder Brotstücke, teils verbrannt
• Besonders bei Sturm oder zu Blasius
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3. Besondere Festtage für Windopfer
• Weihnachtszeit / Rauhnächte (Hauptzeit)
• Thomaswoche
• 29. Dezember (Wind-/Wassertag)
• Blasiustag (1./3. Februar) – v. a. Krapfenopfer
• Vereinzelt Sommersonnenwende
• Dreikönigsnacht
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Exkurs: MillstätterBlutsegen
Der Gesang des Blutsegens wurde verwendet, um das Ausströmen des kostbaren Lebenssaftes aus den Wunden der Schlacht zu stoppen sowie gegen Nachblutungen im Verlauf der Wundheilung und andere gefürchtete Blutflüsse und Blutstürze anzugehen. Besonders wichtig war dabei die erste Wundblutung, wie aus dem Wortlaut vieler der ältesten Blutsegen hervorgeht. Ein Beispiel ist der Straßburger Blutsegen aus dem 11. Jahrhundert:
"... to uerstont taz plôt uerstande tiz plôt stant plôt... stant plôt fasto... uersegene tiusa uunda".
Aus dem 12. Jahrhundert stammt der Millstätter Blutsegen: "... Also verstant dû, bluotrinna..." Es gibt jedoch auch Segensformeln, die keinen klaren Sinn ergeben und einfach unverständliche Worte enthalten, wie beispielsweise der "† aegryn. thon. struth. fola. ærgrenn. tart. struth. on. tria" lautende Blutsegen zum Blutstillen in Balds Arzneibuch (etwa 900, [2]). Es gibt eine Vielzahl solcher Blutsegensformeln, und ihre Literatur ist umfangreich.
Der Millstätter Blutsegen, auch bekannt als Millstätter Blutspruch, ist ein gereimter mittelalterlicher Zaubersegen, der zur Gruppe der Jordansegen gehört, zu der auch der sogenannte Schlettstädter Blutsegen gehört. Er diente dem "Abbeten" von Krankheiten, insbesondere zur Blutstillung, wie beispielsweise bei Nasenbluten. Der Blutsegen stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich im Benediktinerstift Millstatt in Kärnten niedergeschrieben. Die Sprache des Textes ist bairisch-alemannisches Mittelhochdeutsch, vor der sich im selben Jahrhundert ausbreitenden neuhochdeutschen Diphthongierung.
Wortlaut des Millstätter Blutsegens
M035: Blutsegen, Millstätter 32r,19
Der heligo christ vvar geboren ce betlehe- dannen qua- er vvidere 32r,20 ce iesale- . da vvard er getoufet uone iohe . i- demo iordane . Duo uerstuont 32r,21 der iordanis fluz unt der sin runst . also uerstant du bluotrinna . 32r,22 durh des heiligen christes minna . Du uerstant an der note also 32r,23 der iordan tate . duo der guote sce iohannes . den heiligen christ tuofta . 32r,24 verstant du bluotrinna durch des heliges cristes minna .
Sinngemäße Übersetzung:
Der heilige Christus wurde in Bethlehem geboren,
danach kam er weiter nach Jerusalem.
Dort wurde er von Johannes
im Jordan getauft. Da hielten inne
der Fluss Jordan und sein Lauf.
Ebenso sollst du, Blutfluss, innehalten
durch die Liebe des heiligen Christus.
So wie damals in jener Not
der Jordan stillstand,
als der gute heilige Johannes
den heiligen Christus taufte,
so halte auch du, Blutfluss, inne
durch die Liebe des heiligen Christus.
Es existieren zwei mittelalterliche Versionen des Millstätter Blutsegens. Die ältere Version befindet sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien im Codex 1705 auf Blatt 32r. Dieser Codex stammt aus dem Stift Millstatt und wurde im 15. Jahrhundert aus Einzelstücken gebunden. Es wird vermutet, dass das Blatt, auf dem sich der Blutsegen befindet, ursprünglich aus dem Kloster St. Blasien im ehemals vorderösterreichischen Südschwarzwald stammt und nach der Auflösung des Klosters nach Kärnten gebracht wurde. Die sprachliche Herkunft des Textes ist aufgrund der sprachlichen Ähnlichkeiten zwischen den bairisch-österreichischen und alemannischen Dialekten bis zur Diphthongierung im 12. Jahrhundert nicht eindeutig zu bestimmen.

Der "Millstätter Blutsegen" wurde auf Pergament verfasst und hat eine Blattgröße von etwa 220 x 140 mm. Der Schriftraum beträgt 175 x 60 mm, und es gibt eine einzige Spalte mit insgesamt 10 Zeilen. Dieses Dokument stammt aus dem 2. Viertel des 13. Jahrhunderts und ist in der Schreibsprache Ostalemannisch-Bairisch verfasst.
Eine zweite Version des Blutsegens findet sich in einem oberitalienischen Codex aus dem 9. Jahrhundert. Dieser Codex gelangte im 11. Jahrhundert nördlich der Alpen und wurde im 12. und 13. Jahrhundert um mehrere Segen, darunter auch der Blutsegen, erweitert. Später gelangte dieser Codex in den Besitz des Straßburger Senators Sebastian Mieg und wurde nach seinem Tod 1609 vom schwedischen Gelehrten Johannes Scheffer erworben. Nach Scheffers Tod wurde der Codex 1719 der Universität Uppsala gestiftet, wo er sich bis heute im Archiv befindet.
Blasius als Schutzpatron
Der hl. Blasius wird häufig im Gewand eines Bischofs mit Stab und Mitra mit zwei gekreuzten oder ineinandergeflochtenen Kerzen dargestellt. Er wurde der Hl. Blasius auch der Patron der Wachszieher, Seifensieder sowie aller Blasmusikanten und der Windmüller.
Ferner ist er Patron der Ärzte, Bäcker, Bauarbeiter, Gerber, Gipser, Haustiere, Holzknechte, Hutmacher, Maurer, Schneider, Schuhmacher, Steinhauer, Strumpfwirker, Weber, Wollhändler; für eine gute Beichte; gegen Blasenkrankheiten, Blutungen, Geschwüre, Halsleiden, Husten, Kinderkrankheiten, Koliken, Pest, Zahnschmerzen und wilde Tiere.
Darstellungen zeigen Blasius meist als Bischof mit einem Buch und, der Legende entsprechend, mit dem geheilten Kind, Wolf, Schwein, Kerzen und Eisenkamm.
Lostag
Der Blasiustag ist auch ein wichtiger Lostag:
"Sankt Blasius stößt dem Winter die Hörner ab."
"Sankt Blas‘ und Urban (25. Mai) ohne Regen folgt ein guter Erntesegen."
Quellen
Hanns Bächtold-Stäubli, Eduard Hoffmann-Krayer: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. 1927–1942, Berlin: De Gruyter.
Burgstaller, Ernst: Elementeopfer in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines – Gesellschaft für Landeskunde, Bd. 102, Linz 1957, S. 169–170
















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