Hl. Wendelin – 20. Oktober: Schutz für Alm, Stall und Vieh
Am 20. Oktober wird im deutschen Sprachgebiet des heiligen Wendelin gedacht. Als Patron der Hirten, Bauern und Herden gehört er zu jenen Heiligen, an die sich Menschen mit ihren Sorgen um Tiere und Landwirtschaft wandten. Auch auf den Almen spielte die Bitte um himmlischen Beistand eine wichtige Rolle. Je nach Region wurden unterschiedliche Schutzheilige angerufen. Ihre Verehrung erzählt von bäuerlicher Arbeit, religiösem Vertrauen und der Hoffnung, Mensch und Tier vor Schaden zu bewahren.

Wendelin. Schutz für Hirten und Herden
„Wendelin, verlass uns nie, schirm unsern Stall, schütz unser Vieh.“
auch: Wandelirisch: Fionnalán, Findalán
„Wandalinus“ war einer jener gottesfürchtigen Männer, die zur Zeit des Bischofs Magnerich (gestorben nach 578) in der Wildnis des “Vosagus” (Waldgebiet von den Vogesen bis in den Hunsrück) als Eremiten oder in kleinen Gemeinschaften lebten. Zu ihnen gehörte auch Ingobertus. So steht es in der Magnerich-Vita, die Eberwin, Abt von St. Martin in Trier und von Tholey, um das Jahr 1000 verfasste.
Der Legende nach war Wendelin ein schottischer Königssohn, der seine Heimat verließ und in der Gegend um Trier als Hirte und Einsiedler lebte. Über sein tatsächliches Leben ist wenig gesichert. Die ausführlichen Lebenslegenden entstanden erst Jahrhunderte nach seiner vermuteten Lebenszeit im 6. und 7. Jahrhundert.
Eine dieser Erzählungen berichtet, dass Wendelin seine Herde auf weit entfernte, besonders gute Weideflächen führte. Sein Dienstherr war darüber erzürnt, weil er noch am selben Abend ein Tier für die Bewirtung seiner Gäste benötigte. Eine rechtzeitige Rückkehr schien unmöglich. Als der Herr seinen Hof erreichte, war Wendelin mit der Herde jedoch bereits angekommen.

Der Gutsherr erkannte ihn als Heiligen und erbaute ihm eine Einsiedelei, wo Wendelin im Gebet und in der Stille lebte und sich als Ratgeber einen Namen machte, bis ihn später die Mönche von Tholey zu ihrem Abt machten.
Er soll um 617 in Tholey gestorben sein. Einen Tag nach seiner Beerdigung lag Wendelins Leichnam neben dem Grab. Da luden die Mönche den Toten auf einen Ochsenkarren und ließen die Tiere frei laufen. Diese gingen schnurstracks zur früheren Einsiedelei, wo die Mönche Wendelin dann bestatteten. Aus der bald einsetzenden Wallfahrt entwickelte sich ein Pilgerort und schließlich die Stadt St. Wendel. Sein verehrtes Grab befindet sich in der Wendalinusbasilika in St. Wendel im heutigen Saarland.

Verehrung und Brauchtum: Wendelin, der dem Wendelstein den Namen gab und große Verehrung als Viehpatron, vielfach auch als Nothelfer genossen hat, ruht heute in der St. Wendeler Wendalinusbasilika. Erhalten haben sich große Pferdewallfahrten zu seinen Ehren in den Landkreisen Biberach, Rastatt, Rhein-Neckar-Kreis und Tirschenreuth.
Darstellung: als Hirte mit Buch, Schäferstab, Keule oder Krone
Patron: der Bauern, Hirten, Schäfer, des Viehs, gegen Viehseuchen und für die Felder, für gedeihliche Witterung und gute Ernte
In Österreich wird er besonders auf Tiroler Almen als Beschützer des Viehs verehrt.
Die Wendalinusbasilika in St. Wendel
Die heutige Wendalinusbasilika im saarländischen St. Wendel geht auf einen älteren Kirchenbau zurück, der bereits im 9. oder frühen 10. Jahrhundert bestand. Im 14. Jahrhundert begann der Bau der heutigen gotischen Wallfahrtskirche. Ihr Chor wurde 1360 geweiht, das Langhaus um 1460 vollendet. Die markante barocke Haube des Mittelturms kam 1753 hinzu. Im Jahr 1960 verlieh Papst Johannes XXIII. der Kirche den Ehrentitel einer Basilica minor.

Mittelpunkt der Wallfahrt ist das Grab des heiligen Wendelin. Seine Reliquien werden in einem Hochgrab hinter dem Hochaltar aufbewahrt. Dessen besondere Anordnung ermöglicht es den Pilgernden, unter dem Grab hindurchzugehen und dabei um den Segen des Heiligen zu bitten.
Wendelin auf dem Wendelstein
Auch auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein bei Bayrischzell in den Bayerischen Voralpen begegnet uns die Verehrung des Viehpatrons. In seinen "Baierischen Landtafeln" beschreibt der Mathematiker Philipp Apian 1554 erstmals den "Wendelstain" als schwer ersteigbaren Berg. Zu jener Zeit war Bergsteigen freilich noch keine Freizeitbeschäftigung - nur Hirten, Jäger oder Almbauern wagten sich auf einen solchen Felsstock. Auf dem Gipfel steht eine kleine, dem heiligen Wendelin geweihte Kapelle. Der Überlieferung nach ließ sie ein Bauer 1718 aus Dankbarkeit errichten, nachdem er zwei im Nebel vermisste Pferde wiedergefunden hatte. Die Stiftung veranschaulicht, wie eng die Sorge um die Tiere mit religiösen Schutzvorstellungen verbunden war.
Der Wendelstein und seine Gotteshäuser. Von links: Blick auf das Bergmassiv und Bayrischzell, das Wendelsteinkircherl, die dem heiligen Wendelin geweihte Gipfelkapelle sowie „Auf der Spitze des Wendelsteins“, Zeichnung von G. Heine, um 1885.
Von dieser Gipfelkapelle zu unterscheiden ist das Wendelsteinkircherl auf rund 1740 Metern Seehöhe. Auf Initiative des Münchner Kunstprofessors Max Kleiber wurde 1889 der Grundstein gelegt, am 20. August 1890 folgte die Weihe. Die Kirche ist Maria als Patrona Bavariae, der Schutzpatronin Bayerns, gewidmet. Sie gilt als höchstgelegene Kirche Deutschlands. Höher gelegene Gotteshäuser wie die Zugspitzkapelle werden kirchenrechtlich als Kapellen eingeordnet. So stehen auf dem Wendelstein zwei unterschiedliche Gotteshäuser, von denen nur die kleine Gipfelkapelle dem heiligen Wendelin geweiht ist.
Was bedeutet der Name Wendelin?
Der Name Wendelin wird auf den germanischen Namensbestandteil Wendel zurückgeführt, der mit dem Volksnamen der Wandalen in Verbindung steht. Er wird daher häufig als „der Wandale“ gedeutet. Verwandte Namensformen sind Wendel und Wendelinus, als weibliche Formen begegnen Wendela und Wendelina.
In der Stadt St. Wendel im heutigen Saarland hat die Verehrung des Heiligen auch im Ortsnamen ihre Spuren hinterlassen. Dort befindet sich in der Wendalinusbasilika sein verehrtes Grab. Der Name verbindet so persönliche Namensgebung, Heiligenverehrung und die Geschichte eines Wallfahrtsortes.
Neben Wendelin wurden im bäuerlichen Alltag weitere Heilige um Schutz für Mensch und Tier sowie um eine gute Ernte angerufen.
Leonhard. Viehpatron und Beschützer der Pferde
„St. Leonhard, mir bittn sche, lass Kalm und Kuah fei sicha geh, Ross, Schafi, Fackn und a Kitz vor Seuch und Unreim alls beschütz!“
Leonhards Gedenktag ist der 6. November. Er wird als Patron des Viehs und besonders der Pferde verehrt. Ursprünglich galt er als Helfer der Gefangenen. Die Kette, sein bekanntes Attribut, wurde später auch auf die Viehhaltung bezogen.
Zu den Ausdrucksformen seiner Verehrung gehören Leonhardiritte und Pferdesegnungen. Beim gemeinsamen Umritt und bei der Segnung wird die Bitte um Gesundheit und Bewahrung der Tiere öffentlich sichtbar. Der überlieferte Mundartspruch schließt dabei vom Kalb bis zum Schwein die unterschiedlichen Hoftiere ein.
Isidor. Beistand für die Feldarbeit
„Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer Juchei.“
Isidor von Madrid wird als Schutzpatron der Bauern verehrt. Sein Gedenktag ist der 15. Mai. Der angeführte Spruch bezieht sich allgemein auf die Eisheiligen und ist kein eigener Isidorspruch.
Isidor arbeitete als Landarbeiter. Einer Legende zufolge wurde ihm vorgeworfen, wegen seiner Gebete die Arbeit zu vernachlässigen. Als sein Dienstherr dies überprüfte, sah er Engel für ihn pflügen, während Isidor betete. Die Erzählung verbindet schwere körperliche Arbeit mit der Vorstellung göttlichen Beistands. Als bäuerlicher Schutzheiliger steht Isidor besonders für die Hoffnung auf das Gedeihen der Feldfrüchte und eine gute Ernte.
Notburga. Schutzpatronin der Mägde und Dienstboten
„Ist’s um Notburga hell und klar, so hoffen wir auf ein fruchtbares Jahr.“
Die Tiroler Dienstmagd Notburga wurde besonders als Patronin der Dienstboten und der bäuerlichen Arbeit verehrt. Ihr Todestag und ein verbreiteter Gedenktermin ist der 14. September, regional wird ihrer auch am 13. September gedacht.
Ihre bekannteste Legende erzählt vom Sichelwunder. Als ein Bauer sie trotz des abendlichen Gebetsläutens zur Weiterarbeit drängte, blieb ihre in die Luft geworfene Sichel schwebend hängen. Aus volkskundlicher Sicht lässt sich die Erzählung auch als Bekräftigung einer Grenze zwischen Arbeitszeit und religiös begründeter Ruhe lesen. Für Knechte und Mägde, deren Alltag stark von den Dienstherren bestimmt wurde, konnte darin eine besondere Hoffnung liegen.
Martin. Ein wichtiger Termin im bäuerlichen Jahr
„Wenn um Sankt Martin Regen fällt, ist’s um den Weizen schlecht bestellt.“
Der 11. November, der Martinstag, war vielerorts ein wichtiger Termin im bäuerlichen Wirtschaftsjahr. Mit ihm verbanden sich der Abschluss von Arbeiten, Abgaben und die Vorbereitung auf den Winter. Martin steht damit in diesem Zusammenhang besonders für den jahreszeitlichen Übergang.
Der Wetterspruch richtet den Blick bereits auf die nächste Ernte. Darin zeigt sich ein Grundzug bäuerlicher Kalenderüberlieferung. Heiligentage halfen, den Jahreslauf zu gliedern und Beobachtungen von Wetter und Landwirtschaft miteinander zu verbinden.
Die Sprüche unterscheiden sich dabei in ihrer Funktion. Wendelin und Leonhard werden unmittelbar um Schutz gebeten. Die Verse zu Notburga, Martin und den Eisheiligen formulieren dagegen Wetterbeobachtungen und Erntehoffnungen. Gemeinsam geben sie Einblick in eine Lebenswelt, in der Arbeit, Naturerfahrung und religiöse Vorstellungen eng miteinander verbunden waren.
Weitere Schutzheilige, die auf den Almen hierzulande verehrt werden:
17. Jänner, Hl. Antonius der Große – Schutzheiliger der Schweinehirten und der Haustiere
20. Juli, Hl. Margaretha – Schutzheilige der Bauern und Hirten
24. August, Hl. Bartholomäus – Schutzheiliger der Bauern
13. Oktober, Hl. Koloman – Schutzheiliger des Viehs
26. Dezember, Hl. Stephanus – Schutzheiliger der Pferde und Pferdeknechte
Quellen
Unsere Almen: Heilige als Schutzpatrone, 28. Oktober 2022.
Ökumenisches Heiligenlexikon: Wendelin von Tholey.
Ökumenisches Heiligenlexikon: Leonhard von Noblat.
Ökumenisches Heiligenlexikon: Notburga von Rattenberg.
Vatican News: Isidor von Madrid.
Literaturland Saar: Der heilige Wendelin.
Wendelsteinbahn: Geschichte des Wendelsteins.
Chiemsee-Alpenland Tourismus: Gipfel- und Panoramaweg auf dem Wendelstein.
Bistum Augsburg: Wendelin.




Kommentare