Mariä Lichtmess — 2. Februar
- 2. Feb. 2024
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Aktualisiert: 2. Feb.
Am 2. Februar ist Mariä Lichtmess (Darstellung des Herrn), auch Mariä Reinigung und Maria Luz genannt! An Mariä Lichtmess geht nach 40 Tagen die Weihnachtszeit offiziell zu Ende. In Österreich war der 2. Februar lange Zeit, jedoch nur bis 1912, ein wichtiger Feiertag. Der Lichtmesstag steht ganz im Zeichen des Lichts — Kerzenweihen und Lichterprozession gehören traditionell dazu. Nach Volksmeinung macht die Sonne den ersten großen Sprung — und tatsächlich ist der Tag zu Lichtmess schon spürbar länger!

Darstellung des Herrn, Wandgemälde im Hochchor des Bonner Münsters (© Norbert Bach)
Die Darstellung des Herrn
Mariä Lichtmess ist in der katholischen Kirche ein großes Marienfest, das an den Besuch Mariens mit dem Jesusknaben im Tempel von Jerusalem erinnert. Nach alttestamentlicher Vorschrift musste eine junge Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Kindes dem Priester im Tempel ein Reinigungsopfer übergeben, eine Regel, an die sich auch Joseph und Maria hielten. Eine Erinnerung an die Darbringung Mariens war der früher vor allem auf dem Land verbreitete Brauch, nach dem Wöchnerinnen meist 40 Tage nach der Geburt eine Kirche aufsuchten, um sich segnen und „reinigen“ zu lassen. Der 2. Februar wurde seit früher Zeit als Tag der Reinigung Mariä und der Darstellung Jesu im Tempel am vierzigsten Tage nach seiner Geburt gefeiert . Wohl im Anschlüsse an römisch- heidnische Reinigungs- und Sühnefeiern, bei denen Fackeln an das Volk verteilt wurden, hat die Kirche die Kerzenweihe eingeführt, für die lateinische Formeln schon aus dem 10. Jh. bekannt sind.
Kerzenweihe
Der 2. Februar setzt außerdem den Schlusspunkt der dunklen Zeit, die mit Allerseelen beginnt. Traditionell werden zu Mariä Lichtmess daher auch alle Kerzen für den Haus- und Kirchenjahresbedarf geweiht, von den schwarzen Wetter- bis zu den gelben Rosenkranzkerzen. Die geweihten Kerzen sollen Unheil abwenden und ein Jahr voller Helligkeit und Schutz verheißen. Der Lichtmesskerze wurde immer eine besondere große Weihe- und Segenskraft für Haus und Hof, für Menschen und das Vieh auf einem Bauernhof zuerkannt. Einige Tropfen Wachs auf ein Stück Brot gab man dem Vieh – das sollte es gesund erhalten!
Ein Lichtermeer zu Lichtmess!
Auch Wachsstöcke wurden in der Vorabendmesse vor Maria Lichtmess oder zu Mariä Lichtmess gesegnet, um sie zu verschenken, etwa an Dienstboten als Anerkennung für ihre Arbeit, unter Pärchen als Liebesbeweis und als Patengabe.
Wachsstock für den Alltagsgebrauch, festlich verzierte Wachsstöcke zum Verschenken
Ein Lichtmesstag ohne „Kirznweih“ wäre für meine Großmutter unvorstellbar gewesen, und so bin ich als Kind mit ihr gern in der Früh durch den Schnee in die Kirche gestapft. Um Lichtmess findet die Frühmesse meist wieder bei Tageslicht statt. Besonders angetan hat es mir der Wachsstock, den fand ich so schön und feierlich!

"Kirchgang" von Professor Paul Hey, Maler, Grafiker und Illustrator (1867, München)
Dienstbotenwechsel (Schlenkltag, auch Truhentag)
Einst galt der 2. Februar auch als wichtigster Zins- und Zahltermin und war als Schlenkeltag (teils auch am 3. Februar) jener Tag, an dem die Dienstboten zu einem neuen Arbeitgeber wechselten.
Schlenggel-, Schlenkl- oder Truhentag (slingen — mhd. hin- und herziehen) ist eine vor allem noch in Österreich und Bayern bis ins 20. Jahrhundert bekannte Bezeichnung. An diesem Tag begann für das Gesinde eine kurze Zeitspanne bis zum Fest der Heiligen Agatha am 5. Februar, die Gelegenheit für einen Arbeitsplatzwechsel bot und eine Art „Jahresurlaub“ für Knechte und Mägde darstellte. Mancherorts ging der Urlaub bis Aschermittwoch.

Mägde beim Truhenräumen
Früher wechselten die Dienstboten ihre Arbeitsplätze einmal jährlich und schafften ihr wenig Hab und Gut in Koffern oder Truhen zum neuen Arbeitgeber. Andere Tag waren Petri Stuhlfeier (22.2.), Ostern, Georgi (23.4.), der Michaelitag (29. September), Martini (11.11.), der Thomastag und Weihnachten, der Stephanitag und Hl. Dreikönig.
Der Festtag Mariä Lichtmess selbst war ein wichtiger Feiertag, der den Beginn des neuen Bauernjahrs markierte. Mägde, Knechte und Hausangestellte wechselten am „Schlenkeltag“ entweder den Dienstort oder baten um Verlängerung der Anstellung um ein weiteres Jahr.
Wenn das neue bäuerliche Wirtschaftsjahr anbrach und ein Knecht die „Herrschaft“ wechseln wollte oder er noch keinen neuen Platz gefunden hatte, stellte er sich am Sonntag auf den Kirchplatz mit einem Löffel am Hut als Zeichen dafür, dass er noch "frei"war. Ab den Weihnachtsfeiertagen wurden die neuen Kräfte für Haus und Hof gemustert in den Wirtshäusern gemustert, wo das Bier dann ordentlich floss.
Am Lichtmesstag war es dann so weit: Es war Zahltag für die Dienstboten und der Wechsel zum neuen Arbeitsplatz ging vonstatten. Sie und ihre Angehörigen, soweit sie rechtliche Verbindlichkeiten mit der Verdingung eingegangen sind, erhielten das Schlänkelbrot. Dann hieß es Abschied nehmen für diejenigen, die den Bauern wechselten. Aber nicht nur der Bauer musste seine Geldbörse öffnen. Auch der Knecht zahlte der Dirn fürs Aufbetten und Reinigen der Kammer. Dann beschenkte er sie mit dem Wachsstock, und im Gasthaus wurde die Fleißige „zechfrei“ gehalten. Eine Jause wurde der Magd und dem Knecht noch vorgesetzt. Drei Paar Schuhe, die „rupfene Pfoad“, „rupfene“, „harbene“ Wollstrümpfe, gestrickte Fäustlinge und einen Lodenanzug gab es und zu dieser Ausstattung noch ein wenig Geld. Wenn es Schnee hatte, ging es mit einem Schlitten und Sack und Pack zum neuen Hof.

Schlenkltag im Schnee
Manchmal schenkten die Frauen den „Bingglschnaps“ aus. Das Auspacken und Beladen von Truhen und Kästen ging dann leichter vor sich. Ein freundliches „Grüß Gott“ und ein Platz zum „fest“ Niedersetzen wurde gleich bei der Ankunft angeboten, damit der Knecht oder die Magd möglichst lange blieb. Auch sagte man, die antretenden Dienstboten setzen sich auf die ,,lange Bank", damit sie im Hause langes Bleiben haben.
Der selbstgebrannte Schnaps wurde bei uns in größeren Glasflaschen aufbewahrt und bei Bedarf daraus entnommen. Das Schnapsbrennen war eine aufwendige Prozedur, die viel Vorbereitung und Aufmerksamkeit benötigte.
Am Abend des bewegten Tages gab es ein gutes „Bratl“ zum Einstand. Die Bauersleute saßen mit den Knechten und Mägden in der Stub'n, zündeten die neu geweihten Kerzen an und verteilten sie im Haus. Auch andere Bräuche von Lichtmess haben sich erhalten, zum Beispiel das Entzünden des Herdfeuers mit geweihten Kerzen. Es wurde auch der Verstorbenen gedacht, und danach gab es die Lichtmesskrapfen.

A guat's Bratl!
Und danach hieß es wieder anpacken. Die Futterer und Stall-Leut’ mussten gleich an die Arbeit. Für die anderen wartete der Morgen nach Maria Lichtmess als Arbeitsbeginn, und dies ein ganzes Jahr lang bis nächstes Lichtmess.
Ende der Weihnachtszeit
Lichtmess schließt die Weihnachtszeit ab, heißt es immer noch. Die letzten Krippen werden abgebaut, noch verbliebene Christbäume aus Kirchen und Häusern geräumt. Die Krippe in der Kirche wird nun „eingerissen". Also spätestens heute muss auch der Rest der Weihnachtsdekoration wieder für ein Jahr in den Kasten. Der Fasching beginnt mit dem heutigen Tag.
Lichtmesskrapfen
Wie früher die Lichtmesskrapfen zum Dienstbotenwechsel aufgetischt wurden, ist es auch heute noch eine alte Tradition, dass die ersten Krapfen am 2. Februar, zu Maria Lichtmess, aufgetischt werden. Die Lichtmesskrapfen gelten vielerorts als Glücksbringer, die das Hausdach vor Sturmschäden bewahren sollen. Daher beschenkt man gern Freunde und Familie damit.
Wie alle Krapfen werden auch die Lichtmesskrapfen in Schweineschmalz herausgebacken. Die Krapfen müssen schön im Fett schwimmen. Beim Backen muss man darauf achten, dass sie nicht zu dunkel werden, vor allem soll das Fett nicht zu heiß werden. Vor dem Servieren darf etwas Staubzucker nicht fehlen, und traditionell werden Krapfen bei uns mit Marillenmarmelade gefüllt. Sie sind über die ganze Faschingszeit von jedem gern gesehen – und werden noch lieber gegessen!
Auch am Faschingssamstag werden noch einmal Krapfen gebacken – das sind dann die richtigen Faschingskrapfen! Früher wurden die Krapfen, die nach der Faschingszeit übrig blieben, auf einen Weidenzweig aufgefädelt und während der Fastenzeit aufgehängt. Bis Ostern wurde nämlich nichts gegessen, was aus Schweinefett herausgebacken wurde.
Und täglich grüßt das Murmeltier...
In den Vereinigten Staaten wird am 2. Februar traditionell der Murmeltiertag, der „Groundhog Day“, gefeiert. Diese amerikanische Tradition ist vielen Menschen bei uns bekannt geworden, insbesondere durch den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Am Morgen des 2. Februar wird das Murmeltier namens „Punxsutawney Phil“ von einem Herrn mit Zylinder aus seinem Bau geholt. Zeigt sich an diesem Tag die Sonne und das Murmeltier wirft einen Schatten, wird prognostiziert, dass der Winter weitere sechs Wochen dauern wird. Ist der Himmel jedoch bewölkt und das Murmeltier sieht seinen Schatten nicht, wird dies als Zeichen für den nahenden Frühling interpretiert.

Welche Prognose wird Punxsutawney-Phil, so heißt das Murmeltier, wohl für die nächsten sechs Wochen abgeben?
Interessanterweise kommt der Brauch des Murmeltiertags in Pennsylvania aus Europa, er wurde nämlich mit den deutschen Siedlern dorthin mitgebracht. Wie gesagt, wurden in Europa Dachse, Füchse Bären, Siebenschläfer und auch Igel beobachtet. Da in der neuen Heimat der deutschen Siedler keine Igel anzutreffen waren, wurde kurzerhand auf die dort recht häufig vorkommenden Murmeltiere zurückgegriffen! Das weiß ich aus erster Hand von meinem lieben Nachbarn, der selbst Amerikaner aus Pennsylvania ist, und bereits persönlich den Grounhog Day in Punxsutawneybesuchte. Um vier Uhr Früh geht es los, da ist der Platz bereits voll und es wird schon ordentlich gefeiert!
Lichtmess als Lostag
Mit dem Längerwerden der Tage konnte man wieder andere Arbeiten verrichten. Beispielsweise wurde die winterliche Spinnstube geschlossen:
"Lichtmess – Spinn vergess‘!"
lautet dazu ein Spruch.
Mariä Lichtmess ist auch ein wichtiger Lostag, hier einige Lossprüche:
"Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee".
"Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell."
"Ist's zu Lichtmess klar und hell, kommt der Frühling nicht so schnell!"
"Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woch‘, kriecht er noch sechs Wochen in sein Loch.“
"Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt's noch sehr viel Schnee und Eis!"
"Ist’s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit."
„Zu Weihnacht‘n um an Hahnentritt, zu Neujahr um an Mannerschritt, zu Dreikinig um an Hirschensprung und zu Lichtmess um a ganze Stund!“
Ab dem 2. Februar könne wieder bei Tageslicht zu Abend gegessen werden: „Maria Lichtmess, bei Tag z’Nacht gess“.
An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an.
Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herein.
Nach Lichtmess kann’s gern Winter sein, kommt der Frühling früh herein.
Gibt’s an Lichtmess Sonnenschein, wird’s ein später Frühling sein.
An Lichtmess Sonnenschein, der bringt noch viel Schnee herein; gibt es aber Regen und keinen Sonnenblick, ist der Winter fort und kehrt nicht mehr zurück.
Scheint an Lichtmess die Sonne klar, gibt’s noch späten Frost und kein fruchtbar‘ Jahr; doch wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
Um Lichtmess hell und schön – da wird der Winter niemals geh’n.
Fällt Regen um Lichtmess nieder, kommt auch der Winter kaum wieder.
Wenn’s zu Lichtmess stürmt und tobt, der Bauer sich das Wetter lobt; scheint jedoch die Sonne froh – dann Bauer, verwahr‘ dein Stroh.
Je stürmischer es um Lichtmess ist, desto sicherer ein gutes Frühjahr ist.
Um Lichtmess sehr kalt, wird der Winter nicht alt.
Es wird gewöhnlich sehr lang kalt, wenn der Nebel zu Lichtmess fallt.
Scheint an Lichtmess die Sonne, geraten die Bienen gut.
Um Lichtmess Lerchengesang, macht um den Lenz nicht bang.
Singt die Lerche jetzt schon hell, geht’s unserm Bauern an das Fell.
Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woche, geht er auf 4 Wochen wieder zu Loche.
Lichtmess – halbes Futter gefress‘ (= Wintervorrat ist zur Hälfte verbraucht)
Wenn zu Lichtmess die Sonne glost, gibt’s im Februar viel Schnee und Frost
Wenn es Lichtmeß stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
Quellen
Hanns Bächtold-Stäubli, Eduard Hoffmann-Krayer: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. 1927–1942, Berlin: De Gruyter.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band 7: Steiermark. Herausgegeben von Erzherzog Rudolf. Verlag: k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder. Ort: Wien. Datum: 1890.



































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